Nachhaltige Regionalentwicklung
Das Potenzial der Naturparkregion ist eine wasserreiche und weitestgehend intakte Kuturlandschaft mit einer großen Vielfalt an Pflanzen und Tieren. Diese zu erhalten und zu entwickeln ist das Ziel unserer nachhaltigen Regionalentwicklung.
Wasserrückhalt im Westhavelland
Das Gebiet des Naturparks wird vom Wasser geprägt. Die Havel mit ihren Nebenflüssen und weitläufigen Wiesenflächen ist eines der bedeutsamsten und größten Binnenfeuchtgebiet im westlichen Mitteleuropa.
In Brandenburg und auch im Westhavelland soll mehr Wasser in der Natur bleiben, um Trockenheit und Hochwasser auszugleichen. Dafür werden Moore wieder vernässt, Flüsse bekommen mehr Raum und manche Deiche werden abgebaut.
Um die Flächen weiterhin bewirtschaften zu können sprechen sich die Fischer, Landwirte, Naturschützer und Behörden im Westhavelland ab, wie viel und wie lange Wasser in der Havel und in ihren Nebenflüssen und damit auf den Wiesen gehalten wird. Das findet in so genannten Staubeiratsitzungen statt.
Ein besonderes Projektfür den Wasserrückhalt ist die Renaturierung der Unteren Havel. Durch sie entwickelt sich das Gebiet der Unteren Havel wieder mehr in eine Auenlandschaft. Es werden Altarme angeschlossen, Uferbefestigungen beseitigt, Flutrinnen aktiviert sowie Ufer- und Auenwald begründet. Außerdem werden Deichabschnitte zurückgebaut, um Überflutungsgrünland für den Hochwasserschutz zu gewinnen. An der Unteren Havel entsteht wieder ein Naturparadies. Das auch die Tiere und Pflanzen freut, die dadurch verbesserten Lebensraum finden.
Landwirtschaft im Westhavelland – Wandel, Artenvielfalt und Naturschutz
Die Landwirtschaft im Naturpark Westhavelland entwickelte sich stark nach den Meliorationen des 18. Jahrhunderts. Der Sumpf wich weiten Wiesen und Weideflächen.
Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Region kleinflächig und extensiv bewirtschaftet. Auf Düngung wurde weitgehend verzichtet, da die Überschwemmungen der Havel die Böden mit Nährstoffen versorgten. Es gab eine reiche Artenvielfalt in den Pflanzenbeständen.
Mit der Bodenreform 1945 begann ein tiefgreifender Strukturwandel:
Kollektivierung und industrielle Landwirtschaft setzten sich durch.
Kleine Felder mit Hecken und Feldgehölzen wichen großen Agrarflächen.
Düngemittel und Pflanzenschutz förderten ertragsstarke Nutzgräser.
Niedermoorflächen wurden trockengelegt und als Acker genutzt.
Die Folgen: Verlust der Biodiversität. Viele Pflanzen- und Tierarten zogen sich auf die Niederungsgebiete der Havel zurück.
Nach 1990 kam es zu einem erneuten Umbruch. Aus den landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) entstanden große Agrargenossenschaften aber auch Familienbetriebe. Die Grünlandflächen wurden extensiver bearbeitet.
Heute prägen hauptsächlich zwei Landschaftsbilder die Region:
Niederungsflächen mit Wiesen und Feuchtgebieten
Ackerflächen mit Feldkulturen wie Getreide, Raps und Mais
Diese Mischung macht die Region einzigartig – sie verbindet wertvolle Naturräumen mit einer angepassten landwirtschaftlichen Nutzung.
Die meisten Niederungsflächen im Naturpark stehen heute unter Naturschutz. Die landwirtschaftliche Nutzung wird in den Naturschutzgebietsverordnungen klar geregelt und über verschiedene Programme unterstützt:
NATURA 2000 (EU-Förderung, Art. 30 RL)
Kulturlandschaftsprogramm Brandenburg (KULAP)
Zusätzlich stärkt der Vertragsnaturschutz den Erhalt der Biodiversität. So profitieren seltene und spät reproduzierende Arten von einer späteren Nutzung der Flächen.
Fischerei im Westhavelland – früher und heute
Fischreichtum
Früher kamen zahlreiche Fische über die Elbe in die Havel. Der wichtigste von ihnen war der Aal. Es gab aber auch Nordseeschnäpel, Maifisch, Lachs oder sogar Stör. Die Havelwiesen waren Laichgewässer vieler Fischarten. Es gab sehr viele Wasserflöhe im warmen Hochwasser der Havel. Eine wichtige Nahrungsquelle der Fische. Sie waren ein Grund für den einstigen unbeschreiblichen Fischreichtum.
Fischerei als wichtiger Erwerbszweig
Vor hundert Jahren war die Fischerei ein wichtiger Erwerbszweig im Westhavelland. Die Havel hat damals noch weit über 1000 Fischerfamilien ernährt, heute sind es nur noch ca. 30. Hochwertige Fischarten wie Zander sind eher seltener geworden und die Tendenz geht dahin, dass Fische dazugekauft werden.
Warum ging die Erwerbsfischerei zurück?
Der Grundstein für den Rückgang der Erwerbsfischerei wurde mit dem Gesetz vom 04.08.1904 gelegt. Es hatte die Verbesserung der Vorflut- und Schifffahrtsverhältnisse auf der Unteren Havel zum Ziel. In den folgenden Jahren wurde der Fluss hauptsächlich breiter und gerader. Flutrinnen und Verzweigungen wurden durch bewegliche Wehre verschlossen. Sie konnten im Falle eines Hochwassers geöffnet werden.
Durch den Ausbau hatte die Havel zu oft zu wenig Wasser. Um das Wasser zurückzuhalten wurden so genannte Sommer-Staustufen gebaut. Sie entstanden in Bahnitz, Grütz und Garz. Für die Schifffahrt wurden Schleusen notwendig.
Für die landwirtschaftliche Nutzung der Havelwiesen und für die Verbesserung der Schifffahrt bis zur Elbe wurde die Mündung der Havel in die Elbe nach Gnevsdorf verlegt. Durch den Bau der Schleusen und die Verbreiterung des Flusses stand das Wasser zwischen den Staustufe, die Havel floss nicht mehr. Die Nährstoffkonzentration im Wasser nahm zu und die Wasserqualität nahm ab.
Fischarten, die fließendes Wasser lieben, wurden weniger. Die Wehre und Schleusen waren ein Hinderniss für das Wandern der Fische um zu laichen. Eine Wanderung der Fische war nur noch bei Hochwasser möglich. Der Fluss wurde oft ausgaggert und das Baggergut blieb nicht im Fluss. Das Wasser floss im Winter nicht mehr ungehindert über die Wiesen. Nach einem Hochwasser wurde es schnell abgeleitet. Die einst weit verzweigten fließende Havel verlor viele Lebensräume für die Fortpfalnzung der Fische und Kinderstuben für den Nachwuchs. Die Verschlechterung der Situation des Feuchtgebietes spürten wirtschaftlich zuerst die Fischer.
Auch heute noch versperren Staustufen die Wanderung der Fische und nicht selten können die Wanderfische nicht einmal die Havelmündung durchschwimmen. Nur bei größeren Hochwässern sind die Wehre offen und die Fische können mehr oder weniger weit in die Havel hineinwandern.
Ein wichtiges Ziel des Naturparks Westhavelland ist es, die Situation für die Fische wieder zu verbessern. Die Renaturierung der unteren Havel hilft dabei.
Forstwirtschaft im Westhavelland
Im Naturpark gibt es rund 400 Quadratkilometer Wald. Das ist fast ein Drittel der gesamten Fläche. Die meisten Wälder sind Kiefernwälder, weil diese Baumart gut auf den sandigen Böden wächst. Dort, wo die Böden nährstoffreicher sind, werden viele Kiefernwälder nach und nach in artenreiche Laub- und Mischwälder umgebaut. So können in Zukunft auch mehr Buchen und Eichen wachsen.
Etwa zwei Drittel der Waldflächen gehören Privatbesitzern. Sie sind wichtige Partner und Kunden der Forstverwaltungen. In den Wäldern des Landes übernehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Oberförstereien die Aufgaben eines kompletten Forstbetriebes.
