Eine Landschaft voller Wasser

Das Wasser bestimmt das Leben im Naturpark. Die ehemaligen kilometerbreiten Urstromtäler mit ihren großen Sumpfgebieten und Mooren sorgen dafür, dass die Naturparkregion auch heute noch sehr nass ist. Es trifft fast für die Hälfte der Naturparkfläche, also die Niedermoorbereiche und das Haveltal zu (44 %). Knapp ein Drittel (28 %) sind als arme, aber grundwassernahe Talsande nass bis feucht. Einen ebenso großen Bereich nehmen grundwasserferne und nur bedingt landwirtschaftlich nutzbare Dünen und Sanderflächen ein.

 

Traditionelle Nutzung und Landschaftsformen

Früher nutzten die Menschen die Landschaft an die natürlichen Bedingungen angepasst: Die feuchten Niederungen waren Wiesen- und Weideflächen. Auf den höheren, trockeneren Flächen wurde Ackerbau betrieben oder Waldwirtschaft. So entstand eine abwechslungsreiche Landschaft mit vielen verschiedenen Lebensräumen für Pflanzen und Tiere. 

 

Wandel der Landnutzung

Im Laufe der letzten Jahrhunderte hat sich die Nutzung der Landschaft stark verändert. Landwirtschaft, Entwässerung und Technisierung führten dazu, dass viele Flächen trockengelegt und intensiv bewirtschaftet wurden. Dadurch gingen manche ursprünglichen Strukturen verloren, und viele Arten verschwanden.

Trotzdem ist das Westhavelland bis heute eine besonders wertvolle Naturregion. Dank der erhaltenen Feuchtgebiete und der vielfältigen Landschaftsformen leben hier noch viele seltene Tier- und Pflanzenarten.

 

Besondere Lebensräume im Westhavelland

Fließgewässer wie die Havel, Dosse, Rhin und Jäglitz prägen die Landschaft. Viele Abschnitte verlaufen noch naturnah. In diesen Gewässern leben Biber, Fischotter und zahlreiche Fischarten. Auch seltene Libellen und Amphibien finden hier ideale Bedingungen.

Die Havelseen sind flach und sehr nährstoffreich. Ihre Ufer sind mit Schwimmblattpflanzen und Schilf bewachsen. Diese Zonen sind überregional bedeutende Rast- und Brutgebiete für Wasservögel wie Reiher, Enten oder Rohrdommeln.

In den regelmäßig überfluteten Auen- und Luchwiesen wachsen seltene Pflanzengesellschaften, etwa die Brenndoldenwiesen und Mageren Flachlandmähwiesen. Hier blühen im Sommer zahlreiche bunte Blumen. Auch der seltene Lungenenzian kommt an einigen Stellen noch vor.

Ein faszinierender Gegensatz sind die Dünen mit Trockenrasen. Zwischen Kiefern wachsen hier Pflanzen, die sonst eher in Steppen zu finden sind. So stehen auf kleinem Raum Arten der Trockenheit neben Arten der Feuchtigkeit – ein einzigartiges Naturerlebnis.

In den besonders nassen Niederungen wachsen Erlen- und Birkenbruchwälder. Sie bieten vielen Tierarten Schutz, vor allem dem Kranich, der hier gut versteckte Brutplätze findet.

Auf den etwas höheren, trockeneren Standorten stehen alte Eichenwälder. Ihre Böden sind von einer vielfältigen Krautschicht bedeckt, und zahlreiche Insekten, Vögel und Fledermäuse leben hier.