Fischerei

In der Vergangenheit kamen zahlreiche Fische aus der Elbe in die Havel, der wichtigste von ihnen war der Aal. Heute weniger bekannte Arten waren Nordseeschnäpel, Maifisch, Lachs oder gar Stör. Außerdem suchten viele Fische, die in der Elbe vorkommen, die Havelwiesen zum Laichen auf. Das und die Unmengen von Wasserflöhen im warmen Hochwasser der Havel bildeten die Basis für den einstigen unbeschreiblichen Fischreichtum.

Noch in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts war die Fischerei ein wichtiger Erwerbszweig im Westhavelland. Die Havel hat damals noch weit über 1000 Fischerfamilien ernährt, heute sind es nur noch ca. 30. Hochwertige Fischarten wie Zander sind eher seltener geworden und die Tendenz geht dahin, dass Fische dazugekauft werden.

 

 

Gründe für den Rückgang der Erwerbsfischerei

Der Grundstein für den Rückgang der Erwerbsfischerei wurde mit dem Gesetz vom 04.08.1904 gelegt. Es hatte die Verbesserung der Vorflut- und Schifffahrtsverhältnisse auf der Unteren Havel zum Ziel. In den folgenden Jahren wurden vorrangig Querschnittsaufweitungen und Begradigungen realisiert. Flutrinnen und Verzweigungen wurden durch bewegliche Wehre verschlossen, die im Falle eines Hochwassers geöffnet wurden. Durch den Ausbau kam es verstärkt zu Niedrigwasserständen. Um dem entgegenzuwirken, wurden die Sommer-Staustufen Bahnitz, Grütz und Garz errichtet. Für die Aufrechterhaltung der Schifffahrt wurden Schleusen notwendig. Landwirtschaftliche Belange und auch die Verbesserung der Schifffahrt bis zur Elbe waren der Grund für die Verlegung der Havelmündung nach Gnevsdorf. Mit der Errichtung der Schleusen und den Querprofilerweiterungen traten diejenigen Effekte auf, die auch heute noch im Sommerhalbjahr zu den standgewässerähnlichen Situationen zwischen den Staustufen beitragen. Hohe Flussquerschnitte standen niedrigen Abflüssen gegenüber, die Havel floss nicht mehr. Die Nährstoffkonzentration im Wasser nahm zu und es kam zu Wassergüteproblemen.

Die Folge war ein drastischer Lebensraumverlust für strömungsliebende Arten, außerdem wurden die Bauwerke über lange Zeiträume zu Wanderhindernissen, die eine Wanderung der Fische nur noch bei Hochwasser erlaubten. Das Verschließen bzw. Sperren der kontinuierlichen Wasserverteilung an Verzweigungen entwertete eine Vielzahl von Habitaten und Reproduktionsräumen für Arten der deltaartigen Naturräume. Die relativ umfangreichen Baggerungen, insbesondere im Sohlbereich des Flusses, stellten durch die Substratentnahme eine erhöhte Belastung für alle Individuen dar. Die Verringerung des Retentionsraumes sowie ein beschleunigtes Sinken der Wasserstände nach Hochwasserereignissen machte sich mit gravierenden Auswirkungen auf die limnische Fauna bemerkbar. Die Verschlechterung der Situation des Feuchtgebietes spürten wirtschaftlich zuerst die Fischer.

Auch heute noch versperren Staustufen die Wanderung der Fische und nicht selten können die Wanderfische nicht einmal die Havelmündung durchschwimmen. Nur bei größeren Hochwässern liegen die Wehre und die Fische können mehr oder weniger weit in die Havel hineinwandern. Ein wichtiges Ziel des Naturparks Westhavelland ist die ganzjährige Durchwanderbarkeit der Havel für möglichst viele Wassertiere, allen voran natürlich die Fische. Deshalb setzt sich der Naturpark intensiv für den Bau von Fischaufstiegshilfen an allen Staueinrichtungen ein.